Kinder aus der kalten Saale gerettet

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Kinder aus der kalten Saale gerettet

Kanus gekentert: Dramatischer Einsatz von Hilfskräften bei Hammelburg

Großeinsatz: Wasserwacht, DLRG, Feuerwehr und Rettungsdienst brachten 24 Kinder und Jugendliche mit ihren Betreuern sicher an Land. Zwei Kanus waren in der Saale gekentert, acht weitere hingen fest.

Der Schreck sitzt ihnen noch in den Gliedern. Mit Decken umwickelt stehen die 24 Kinder und Jugendlichen mit ihren sechs Betreuern am Saaleufer. Ihre Kanus waren bei Westheim (Lkr. Bad Kissingen) von der Strömung des Hochwassers gegen einen querliegenden Baumstamm getrieben worden. Zwei der zehn Boote kenterten. Die Kinder konnten sich auf einen Baumstamm retten. Die anderen Kanuten schafften es, sich über Wasser an den Bäumen festzuhalten, bis sie von der Feuerwehr und Wasserwacht gerettet wurden. Verletzt wurde niemand.

„Ich hatte schon etwas Angst“, gibt ein Zwölfjähriger zu. Auch sein Betreuer ist noch ziemlich bleich im Gesicht. Seit Jahren geht der Jugendleiter des Sportvereins aus dem Aschaffenburger Raum mit den Elf- bis 16-Jährigen auf Zeltlager. Schon öfters sei man dabei auch Kanu gefahren. Die Bootstour auf der Fränkischen Saale sollte diesmal wieder der Höhepunkt sein.

Der Jugendleiter hatte aber die Strömung der Hochwasser führenden Saale unterschätzt. Genauso wie zwei Männer, die knapp zwei Stunden vorher mit zwei fünfjährigen Kindern einige Kilometer flussabwärts bei Hammelburg ins Wasser gefallen waren. Auch ihr Boot war an einer Baumwurzel hängen geblieben und gekentert. Die Kinder trugen Schwimmwesten, alle vier konnten sich aus eigener Kraft ans Ufer retten.

Gerade als die durchnässten und fröstelnden Buben auf der Polizeistation versorgt wurden, ging dort der Notruf der 30-köpfigen Kanu-Truppe aus Westheim ein. Der örtliche Polizeichef Alfons Hausmann löste sofort einen Großeinsatz aus. „Bei so vielen Leuten wollten wir auf Nummer sicher gehen.“

Die Feuerwehr war zuerst vor Ort. Sie versuchte gleich, die noch nicht gekenterten, aber ineinander verkeilten Boote, die mit je drei Jugendlichen besetzt waren, mit Seilen zu sichern. Zwei Boote waren bereits untergegangen. Die sechs Jugendlichen standen bibbernd auf einem Baumstamm im Wasser.

Die Hammelburger Wasserwacht und die ebenfalls alarmierte DLRG-Wasserrettung aus dem benachbarten Bad Kissingen kamen mit 17 Mann. In Neoprenanzügen schwammen sie zuerst zu den gekenterten Jugendlichen und brachten diese sicher ans Ufer. Danach wurden die anderen acht Kanus mit Besatzung aus dem Wasser geholt.

Einige Kinder waren etwas unterkühlt, denn die Saale hat derzeit nur acht Grad Celsius. Vorsorglich untersuchte deshalb ein Rettungsarzt alle Kinder an Ort und Stelle.

Schwierig gestaltete sich die Bergung der beiden untergegangenen Kanus. „Das war ein echter Kraftakt“, sagt Wasserwacht-Einsatzleiter Stefan Fella. Ein Landwirt half sogar mit seinem Traktor mit, die voll Wasser gelaufenen Boote an Land zu ziehen. Ein Kanu hat den Unfall nicht unbeschadet überstanden. Auch einige Paddel gingen verloren. Einem Jugendlichen gingen bei dem Tumult im Wasser die Schuhe abhanden. Letztlich sind alle aber glimpflich davongekommen.

Dem Hochwassernachrichtendienst zufolge werden die Wasserstände der bayerischen Flüsse wegen der starken Regenfälle weiter leicht erhöht bleiben. Die Polizei rät deshalb von Kanutouren auf der Saale ab. Für die Aschaffenburger Jugendgruppe ist der Wassersport in jedem Fall gestrichen. Für den Rest des Zeltlagers stehen jetzt nur noch Aktivitäten an Land an.

Bilder und Text
von mainpost.de, 28.05.2013

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