Retter übten Nachteinsatz in Sand und Zeil

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Retter übten Nachteinsatz in Sand und Zeil

Wasserwachten aus ganz Nordbayern und weitere Einsatzkräfte trafen sich in Sand und umliegenden Orten zum besonderen Training. Sie demonstrierten, wie Menschen von einem umfluteten Hausdach geborgen werden. Eine Prominente war „Opfer“.

Erleichterung, als die Retter endlich ankamen, um die Personen, darunter Dorothee Bär (Dritte von rechts), von dem umfluteten Dach zu holen. Foto: Helmut Will
Erleichterung, als die Retter endlich ankamen, um die Personen, darunter Dorothee Bär (Dritte von rechts), von dem umfluteten Dach zu holen. Foto: Helmut Will

Sand im „Ausnahmezustand.“ Überall orange gekleidete Einsatzkräfte. Eine gewaltige Logistik war bei der „Frankenübung 2014“, einer Wasserrettungszugübung der nordbayerischen Wasserwachten, in der Nacht zum Samstag zu bewältigen. Das Übungsszenario: „Evakuierung und Rettung von Personen aus Hochwasserlagen auf dem Main bei Sand und auf den umliegenden Seen.“ Menschen hatten sich auf ein Hausdach gerettet und warteten dort bei völliger Dunkelheit auf Hilfe. Gut eine Stunde mussten sie ausharren, darunter auch die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär (CSU), bis die Retter nahten.

An der Übung waren etwa 300 Einsatzkräfte von Wasserrettungszügen, Wasserwacht, Rot-Kreuz-Bereitschaften, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Polizei beteiligt. Fast Mitternacht war es in der Nacht zum Samstag, als die Wasserrettung beendet war. Die Aufräumarbeiten gingen bis in die Morgenstunden weiter.

Herausforderungen

Schon der Kfz-Marsch mit zahlreichen Einsatzfahrzeugen vom Sammelort des Eurorastplatzes Knetzgau zum Einsatzort in Sand war eine Herausforderung, wie von Einsatzkräften zu hören war. Die Ausgangslage: Unwetter in den Regierungsbezirken Frankens mit dem Schwerpunkt Landkreis Haßberge.

Birgit Schwabe von der Rot-Kreuz-Bereitschaft Memmelsdorf (Gemeinde Untermerzbach) war mit drei weiteren Bereitschaftsmitgliedern vor Ort, um die Verpflegungsgruppe zu unterstützen. „Ich bin schon beeindruckt, was da so alles abläuft, da geht was ab“, sagte sie.

An der sogenannten Slipstelle im Main-Hafen der Stadt Zeil konnte mitverfolgt werden, wie Rettungsboote zu Wasser gelassen wurden. Das wurde von der Wasserwachtgruppe Coburg demonstriert. Viele Handgriffe waren nötig und vor allem stand die Sicherheit der Einsatzkräfte im Vordergrund, bis das Boot im Wasser war und auf dem Main fahren konnte. Navigation und Fahren mit Booten in unbekannten Gewässern und bei Dunkelheit forderten von den Bootsführern vollen Einsatz. Weitere Übungseinheiten waren die Versorgung von Verletzten nach einem Verkehrsunfall, Rettung von Verletzten aus dem Wasser und Vermisstensuche.

Robert Ilnyzckyi von der Haßfurter Polizeiinspektion zeigte sich vom Aufgebot der Einsatzkräfte beeindruckt. „Was da heute an Wasserwacht, Bereitschaften, Rettungsdienstkräften aufgeboten ist, sieht man nicht alle Tage“, sagte der Polizeihauptkommissar.

Spektakulär allerdings ging es bei der Rettung von Personen zu, die sich infolge des „Hochwassers“ auf ein Hausdach gerettet hatten. Zu diesem Zweck war ein Hausdach mehrere hundert Meter vom Ufer entfernt im See eingebracht wurden. Die dort „Eingeschlossenen“, bei denen sich die Ebelsbacher Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin im Verkehrsministerium, Dorothee Bär, befand, mussten bei völliger Dunkelheit auf ihre Retter warten. Als Bootsführer waren zum Beispiel Uwe Hanf und Jan Fischer von der Wasserwachtgruppe Lichtenfels mit im Einsatz. Sie brachten mit ihrem Boot Beobachter an die Einsatzstelle der Dachrettung auf den nächtlichen See hinaus.

„Ganz schön angespannt“

„Auch wenn es nur eine Übung ist, waren wir alle ganz schön angespannt, zumal sich noch eine Frau ihren Knöchel verstauchte und deshalb im Realeinsatz vom Dach gerettet wurde“, sagte die Abgeordnete. Sie beschlich ein ungutes Gefühl, als sie noch auf dem Dach ausharren musste, während andere ihrer „Leidensgenossen“ schon abtransportiert wurden.

Alle auf dem Dach im See waren froh, als sie die Blaulichter der ankommenden Wasserrettungsboote erkannten. „Panik“ war mittlerweile ausgebrochen und die Retter hatten psychologische Fähigkeiten mitgebracht, um diese abzubauen. „Wie das von einem Retter, der auf dem Dach bei uns blieb, bewältigt wurde, fand ich schon beachtenswert“, sagte Dorothee Bär.

Einige waren sogar vom Dach gerutscht und in den See gefallen. Sie wurden von Tauchern und Schwimmern der Rettungskräfte aus dem kalten Wasser geholt und auf die Rettungsboote gebracht.

Jedenfalls ging alles gut und nach etwa 90 Minuten waren alle gerettet. Dorothee Bär hob besonders das ehrenamtliche Engagement der Einsatzkräfte hervor und fand es bemerkenswert, dass an der Übung insgesamt sechs Notärzte beteiligt waren und ihre Freizeit opferten.

Helmut Schroll, stellvertretender Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes im Landkreis Haßberge, fasste zusammen: „So eine Übung ist ab und zu dringend nötig. Hier wird so richtig bewusst, welche Stärke die Wasserwacht und die ganzen Bereitschaften haben, wie sie zusammenwirken, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.“

 

Bilder und Text
von inFranke.de, 14.09.2014

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