Kopfüber in die Saalefluten

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Kopfüber in die Saalefluten
Baden im Fluss findet Befürworter und Skeptiker

Besser als Fernsehen und Computerspiel, aber unter dem Strich auch riskanter: Badefreuden an der Saale gewinnen auch wegen der Wasserqualität gerade unter Jugendlichen immer mehr Freunde.

Als kein Freund vom Baden in Fließgewässern gibt sich auf Nachfrage Gernot Schneeberger vom Gesundheitsamt Bad Kissingen zu erkennen. Der Fluss sei zwar mit guter Wasserqualität gelistet. „Das sind aber immer Momentaufnahmen“, gibt Schneeberger zu erkennen. Unvorhergesehene Einleitungen können die Wasserqualität schnell drücken, gerade in heißen Trockenperioden drohe eine höhere Keimbelastung. Dazu kommen die menschlichen Hinterlassenschaften am Fluss, die Störung von Biotopen und das Fehlen von Rettungskräften vor Ort. Schneeberger empfiehlt deshalb die Schwimmbäder oder den Badeseen an der Skinautika oder in Motten.

Positiver zum Baden an der Saale steht das Wasserwirtschaftsamt. „Man muss auch die Sozialfunktion des Gewässer sehen“, betont Behördenleiter Stefan Thums, der selbst einem Bad in der Saale nicht ganz abgeneigt ist. Es gebe immer wieder Interessengruppen, die gegen das Baden am Fluss auch das Wasserwirtschaftsamt hinter sich bringen wollen.

So lange sich Badende im Einklang mit der Natur bewegen, hat Thums kaum Bedenken. Beschwerden an den Ufern gegen das Verhalten von Badegästen lägen derzeit nicht vor. Kleinere Installationen, wie Lianen aus Draht oder Sprungplattformen, erregen bisher keinen Anstoß. Wenn Kommunen möchten, können sie auch Badeplätze beantragen, um den Badebetrieb zu kanalisieren. Derzeit liefen solche Bestrebungen in Morlesau.

„Dann wollen wir aber, dass die Kommunen die Verkehrssicherungspflicht übernehmen“, so Thums. An gewöhnlichen Uferabschnitten achtet das Wasserwirtschaftsamt selbst darauf, dass keine Äste abzufallen oder Bäume umzukippen drohen.

Verständnis für die Badefreuden äußert Stefan Fella von der Wasserwacht in Hammelburg. „Allerdings ist die Sache nicht ganz ohne“, warnt er. Zwar schieben 10 bis 15 Retter mit Alarmpiepser rund um die Uhr Bereitschaft. Unter fünf bis zehn Minuten sind sie je nach Einsatzort und Qualität der Alarmierung aber kaum zur Stelle.

Im übrigen sei die Zahl der Ertrinkenden im Binnenland, und dabei gerade in Bayern, höher als an den Küsten, weiß Fella. Dass das Gros in Nachbars Gartenteich ertrinkt, ist kein Trost.

Um Badeunfälle zu vermeiden, ist Abkühlung oberstes Gebot. Die Saale hat 17 bis 19 Grad Celsius, die Luft 36 Grad, da kann es beim Hineinspringen zum Kollaps kommen. Dass man nicht in unbekannte Gewässer springen soll, ist zudem eine Binsenweisheit.

In der Saale sollte man jeden Tag sein Baderevier neu sondieren. Nach Hochwasser kann an vermeintlich tiefen Stellen Treibgut anlanden. „Und was ist, wenn einer nachts seinen Traktor entsorgt?“, ruft Fella zu immerwährender Vorsicht in allen Jahreszeiten auf. Problematisch können auch Schlingpflanzen in den Passagen mit schnellerer Strömung oder Wirbel vor Brückenpfeilern sein. Zudem empfiehlt es sich, den Flusslauf zu studieren. Das Ufer an Außenkurven sei häufig stark unterspült, ruhiger fließe das Wasser in den Innenkurven. Der letzte Badeunfall im Raum Hammelburg ereignete sich vor rund drei Jahren bei Morlesau. Eine Kanubesatzung, die kaum schwimmen konnte, kenterte und harrte stehend im Wasser aus, bis die Retter eintrafen.

Bilder und Text von:
Main-Post, 07.07.2010 17:37 Uhr, http://www.mainpost.de/

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